Die Richter
Diener der Gerechtigkeit

Von ihrem Stadtstaat
Justitian aus tragen die Richter das Gesetz in die gesetzlosen Länder. Wo Banditen und Möchtegern-Despoten die anarchischen Zustände nutzen, um dem kleinen Mann das Leben sauer zu machen, erscheinen die Richter. Und räumen auf. Oft ungefragt. Die Hämmer in ihren Händen und die Musketen aus justitianischer Fertigung sprechen eine klare, unmissverständliche Sprache.

Im Ödland begrüßen viele den Schutz der Richter. Die Freiheit einzubüßen scheint ein kleiner Preis für den Schutz vor
wilden Sipplingen und marodierender Soldateska. Und ehe man es sich versieht, ist man gefesselt in einem Zwangskorsett aus Regeln, dass einem die Luft wegbleibt.


Waren die Botschaft und der Gesetzeskodex des Kultbegründers noch direkt und einfach gestrickt, hat sich heute innerhalb des Kultes eine Klasse von
Advokaten herausgebildet, die die Gesetzestexte mit immer neuen Zusätzen und Präzedenzfällen überfrachten – um sie zu klarifizieren, sagen sie selbst. Um sie dem einfachen Mann unverständlich zu machen, sagen ihre Kritiker, insbesondere die handfesten, keinen Unsinn duldenden Protektoren des Kultes.

Um den Aufgaben im ständig wachsenden
Protektorat Herr zu bleiben, heuern viele Richter sogenannte Schöffen an und statten sie mit zeitweisen richterlichen Befugnissen aus. Schöffen können aus allen Schichten kommen und ergänzen oft mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten die des Richters. Begnadigte Apokalyptiker, verstoßene Ärzte, Schreiber, Ortskundige, aber auch Schläger und Folterknechte findet man möglicherweise im Gefolge eines Richters.






Erscheinungsbild


Anlehnung: Sheriff / Revolverheld


Die langen, ledernen Staubmäntel, beschlagenen Westen, Halstücher und breitkrempigen Schlapphüte sind direkt aus dem Western-Genre entlehnt. Der Kodex, das Buch der Gesetze, wird wie eine Bibel getragen. Um hier nicht zu starke Western-Anspielungen zu haben, können Hut, Weste und Mantel mit Schrottteilen, Lochblechen, Autoreifenrüstung etc. aufgemoddet werden.


Anlehnung: Hexenjäger

Die aus Filmen wie "Van Helsing" oder Spielen wie "Warhammer" bekannten Hexenjäger haben ebenfalls das Erscheinungsbild der Richter beeinflusst. Kanonenhüte und die allgegenwärtigen Richtermusketen und Steinschloss-Pistolen sind hier entsprechende Elemente. Der Schiedsrock, ein ärmelloser, langer Überwurf, der nur von den
Advokaten getragen werden darf, schlägt ebenfalls in diese Kerbe. Kleine, runde (Sonnen-)Brillen, Kneifer oder Monokel sind ein passendes Accessoire.


Sonstige Kult-Elemente

Mantel, runde Brille und Schlapphut sind Insignien der Richterschaft, ebenso der Hammer, der von den
Protektoren getragen und zum Vollstrecken von Urteilen eingesetzt wird, und der Schiedsrock der Advokaten.






Spielhinweise


Strenge

Das Spielen eines Richters erfordert eine kraftvolle und durchsetzungsfähige Persönlichkeit. Außer im
Protektorat beruht der Einfluss, den der Richter dem Gesetz verleiht, nur auf seinem eigenen Charisma und seiner Fähigkeit, andere einzuschüchtern oder zu überzeugen.

Die Richter verstehen sich als strenge Väter und Mütter, die ihr Volk an die Hand nehmen und ihm die Regeln des Zusammenlebens erklären.



Weisungen

Die Politik der Richtschaft wird von den Hochrichtern und dem Senat gemacht. Richter sind den Weisungen dieses Gremiums und ihren Vorgesetzten gegenüber gebunden. Widerspruch führt zu empfindlichen Strafen bis hin zur Hinrichtung – die Richtschaft muss eine geschlossene Front dem Volk gegenüber bilden und kann sich keine Abweichler erlauben.








Papierkram

Eine Stadt wie
Justitian ist auf dem langsam mahlenden Räderwerk der Bürokratie erbaut. Jede Richterentscheidung, vom Bußgeld bis zur Kapitalstrafe, will dokumentiert und eingereicht sein. Quittungen, Formulare, Prozessprotokolle – der Papierkrieg eines Richters ist mitunter härter, als den ungewaschenen Sipplingen das Recht in die verbohrten Schädel zu prügeln. Eine Richter-Spielfigur sollte daher eine gewisse Menge Formblätter bei sich haben.

Möglich sind: Protokolle für Verhandlungen, Quittungen für Bußgelder, Strafbelege,
Schöffenernennungen, Depeschenblätter für Meldungen an die Obrigkeit – und vieles mehr.



Der Kodex


Eine Richter-Spielfigur benötigt einen Kodex. Der Kodex ist ein Reisetagebuch und eine Sammlung von Grundlagen und Gesetzen, die den Handlungen des Richters Legitimität gibt, Strafen für Missetäter aufzeigt und Methoden der Strafverfolgung vorschlägt. Jeder Kodex ist einzigartig, auch wenn sich alle im Kern auf dieselben Gesetze berufen. Während die Spielfigur Erfahrung sammelt, füllt sich der Anhang mit Erfahrungen, Hinwelsen, Methoden und Präzedenzfällen. Irgendwann wird sich der Richter als alter Veteran zur Ruhe setzen und seinen Kodex an einen jungen, vielversprechenden
Vaganten weitergeben.



Rollen


Schöffen - Ein Richter kann nach seinem Gutdünken Schöffen ernennen, die ihm bei seiner Arbeit helfen. Diese "Deputys" kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft, sind für den Richter Augen, Ohren, Sekretäre, Assistenten und Vollstreckungshelfer. Eine Schöffenernennung kann zeitlich begrenzt oder auf Lebenszeit sein; der Richter zahlt das Gehalt der Schöffen in der Regel aus eigener Tasche.
Hier bietet sich eine gute Gelegenheit, Spielgruppen zu bilden oder Angehörige anderer Kulte in das Richterspiel mit einzubinden.

Möglichkeiten gibt es viele. Wer des Lesens und Schreibens mächtig ist, kann die Protokolle des Richters führen. Medizinische Kenntnisse werden für Obduktionen benötigt;
Apokalyptiker arbeiten als Spitzel und Zuträger. Und es schadet nie, jemanden mit breiten Schultern für die Verhaftungen zu haben – einen ehemaligen Grubenkämpfer vielleicht?



Vaganten - Die Karriere eines Richters beginnt als Vagant, quasi ein Richter in Ausbildung. Ein solcher Vagant hat noch nicht die Befugnis, Recht zu sprechen. Er begleitet einen Richter und übernimmt für ihn auf Geheiß Aufgaben der Ermittlung, Verhaftung oder Vollstreckung. Später wird er selbst Hut und Hammer in die Hände nehmen. Vaganten sind eine gute Art, das Richterspiel unverbindlich kennenzulernen, ohne sich sofort für die
Protektoren- oder Advokatenlaufbahn entscheiden zu müssen.






Protektoren / Vollstrecker - Die Vollstrecker erfüllen die Aufgaben einer Polizei im
Protektorat. Sie beschützen Bürger, setzen das Recht durch, verhaften Gesetzlose, führen Verbrecher der Gerichtsbarkeit zu und zeigen Präsenz auf den Straßen. Außer in bestimmten Fällen und bei Bagatelldelikten können Protektoren keine eigenen Urteile fällen – das ist Aufgabe der Advokaten.
Beim Spiel eines Protektors gibt es zahlreiche Klischees, bei denen man sich bedienen kann: der knallharte Vollstrecker, der phlegmatische Sheriff oder der freundliche Cop von nebenan, der alle seine Schäfchen und ihre Sorgen kennt.



Advokaten / Schiedsmänner - Wenn die Vollstrecker die Polizei sind, dann sind die Advokaten die Staatsanwälte. Sie führen Prozesse, schreiben Steckbriefe aus, ermitteln und richten. Die Advokaten können ihre Urteile nicht selbst vollstrecken; hier sind sie auf die
Protektoren angewiesen. Ein Advokat braucht Beredsamkeit und eine gute Menschenkenntnis.



Gewaltenteilung: Advokaten vs. Protektoren

Zwar gibt es dem Hintergrund nach auch Personen, die sowohl die Schiedsmann-(
Advokaten-) als auch die Vollstrecker-(Protektoren-)Prüfung abgelegt haben. Im Spiel ist es allerdings interessanter, wenn die Spielfiguren entweder ausschließlich Advokaten oder Protektoren sind – auf diese Welse entspannt sich ein intensives Spiel zwischen denen, die das Recht sprechen, und denjenigen, die die Urteile umsetzen, zwischen Politikern und Praktikern.



Schwarze Richter - Dies ist die Geheimpolizei
Justitians, ein Kader von verdeckten Ermittlern und Mördern. Sie untersuchen Fälle, in die Richter oder hochrangige Bürger verwickelt sind, beobachten und stellen Fragen. Wird ein Richter für die Richtschaft untragbar, oder kauft sich ein einflussreicher Bürger von der Strafe frei, beseitigen sie ihn diskret. Droht eine Ermittlung schmutzige Geheimnisse der Richtschaft aufzudecken, fälschen sie Beweise und bringen Zeugen zum Schweigen. Ihre Urteile werden niemals öffentlich vollstreckt – das Ansehen des Kultes muss gewahrt bleiben.

Schwarze Richter sind nie als solche zu erkennen; sie tragen weder Mantel, Hut, noch Kodex – es sei denn, sie treten im Zuge ihrer Ermittlungen in der Rolle eines
Advokaten oder Protektors auf. Kaum jemand innerhalb oder außerhalb der Richtschaft ahnt die Existenz der schwarzen Richter; außer ein paar Gerüchten und haltlosen Vermutungen gibt es keine Hinweise. Selbst der Senat, das oberste Organ der Richtschaft, weiß nichts von diesem Kader, der nur Rutgar, dem obersten Protektor, verpflichtet ist.

Ein schwarzer Richter ist in seinen Aufträgen völlig auf sich allein gestellt; da niemand seine Existenz zugeben würde, trägt der Agent die Konsequenzen seiner Handlungen selbst. Schlägt sein Auftrag fehl oder wird er erwischt, so wird niemand je von ihm gehört haben. Richtermord und Behinderung von Ermittlungen sind schwere Verbrechen; der schwarze Richter muss also sein Vorgehen sorgfältig planen und dafür sorgen, dass es keine Zeugen gibt.





Namen


Richter, die aus Justitian stammen, haben meist einen deutschen oder polnischen Vor- und Familiennamen. Die namhaftesten (und reichsten) Advokatenfamilien sind die
Salvano, die Manteuffel und die Masek: Sprößlinge dieser Familien sind z.B. Emiel Salvano und Abelard Masek.

Manche Richter tragen die Nachnamen von Philosophen des 19. und 20. Jahrhunderts:
Gregor Kant, Adam Kierkegaard, Horst Hegel, Aristide Fechner. Viele geben sich diese Nachnamen nach Abschluss ihrer Vagantenzeit, um sich bestimmten Idealen zu verschreiben. Waisen geben sich auf diese Weise eine neue Identität. Andere lösen sich auf diese Weise von ihrer alten Sippe und signalisieren, dass sie zu einer neuen Familie gehören – einer geistigen Familie des Rechts und der philosophischen Ideale.